Kurzfilm: Nachtexpress
Irgendwann im Frühjahr 2007, im Mai um genauer zu sein, haben sich mein Mitbewohner Roberto De Simine und ich eines Abends zusammengesetzt um über weitere gemeinsame Kurzfilmprojekte zu reden.
Wir hatten davor schon seit fast einem Jahr an einem Kurzfilm gearbeitet, der aber niemals fertig wurde und in der Form auch niemals mehr fertig wird.
Um die immer wieder entstandenen Drehpausen halbwegs sinnvoll zu nutzen, hatten wir mehrere kleinere Filmchen gemacht, die alle einen gewissen Mysterytouch gemeinsam hatten.
An diesem besagten Abend unterhielten wir uns also wieder über einen weiteren Kurzfilm. Wir hatten beide jeweils eine ähnliche Idee und machten daraus eine einzige, aber komplett andere, Idee.
Einige Tage später, an einem Samstag Abend um genauer zu sein, trafen wir uns mit unserem kleinen Filmteam am Bahnhof gegenüber unserer Wohnung und setzten die Idee in laufende Bilder und Töne um.
Unser verehrter Teamkollege und Selbstbaufreak GripSasha zimmerte innerhalb einiger Tage aus einer alten Holzplatte mit Inlineskaterrollen und ein paar langen Alu-Stangen einen kleinen Dolly zusammen, den wir beim Dreh feierlich einweihten.
Das komplette Equipment bestand aus:
- Canon XM 2 MiniDV-Camcorder
- Stativ
- Selbstbaudolly
Gedreht wurde nur mit dem am Bahnhof verfügbaren Licht. Ein externes Mikrofon kam nicht zum Einsatz.
Noch bevor wir anfingen zu drehen gesellte sich ein Passant zu uns hinzu, der sich als Ex-Obdachloser herausstellte und uns wertvolle Tipps gab wie sich Obdachlose verhalten würden. Das war insofern nützlich da ein Obdachloser auch eine der beiden Hauptfiguren im Film war. Wir entschieden uns aber auf die Vorschläge von Ace, so der Name des Ex-Obdachlosen, nicht zu hören und alles so zu machen wie wir es wollten, da es einfach schöner, wenn auch etwas unrealistischer, aussah. Also schnappten wir uns Ace′s Hündin Houri, legten sie neben unseren “Obdachlosen” und drehten bis spät in die Nacht, während immer wieder recht voll besetzte Züge am Bahnhof eintrafen und uns ständig witzige Menschen mit witzigen Kommantaren durch das Bild liefen und uns Ace immer wieder davon erzählte dass seine Freundin zu Hause ungeduldig auf ihn wartet und ob wir uns nicht mal beeilen könnten…
Das ohnehin kleine Filmteam wurde immer kleiner bis zum Schluss nur noch die beiden Darsteller, sowie Rob und ich übrig blieben.
Die Sonne ging schon ganz langsam auf als wir endlich halbwegs fertig waren.
Noch ein paar Stunden Dreh eine Woche später und alle benötigten Szenen waren im Kasten.
Und nach nicht mal einer Woche Schnitt war auch der Film schon fertig und sah irgendwie ganz anders aus als ich ihn mir vorgestellt habe, was aber auch so besser war.
Der Kurzfilm ist seit gut einem Jahr bei Youtube und auch Videocommunity zu bestaunen und hat bislang ganz gute Bewertungen bekommen, was wir selber nicht gedacht hätten.
Außerdem lief der Film auf zwei kleinen, unbekannten Filmfestivals und staubte bei einem sogar den dritten Platz ab. Immerhin etwas.
Und jetzt, endlich, die Links zum Film.
Herzlichen Dank nochmals an Ace!
http://www.videocommunity.com/pc/pc/display/4972/laurin/
Alternativ auch bei Youtube zu sehen.




22.10.2008 um 2:07
hallo yungs,
habe nachtexpress gerade gesehen und hier ein kleines statement:
(bin übrigens selbst hobbyfilmer und filmfreak)
handwerklich sehr gute arbeit (schnitt, sound, montage, schauspieler)
z. B. der schwenk von dem ankommenden zug zum protagonisten; toll!!
im laufe des films fand ich den plott nich besonders originell aber der schluss und der satz “.. ich bin gespannt auf deine geschichte!” hat mich wieder versöhnt !!
wenn ich fragen darf, mit was für einem equipment habt ihr gearbeitet?
gruß attila
19.12.2008 um 18:34
Halli hallo ich finde euren Film wirliklich faszinierend wie ihr den Ton die Bilder die Kamera die Geschichte wie gut das geschnitten wurde und verfilmt. Die Schauspielr spielen auch ganz gut. Wirklich tolle Arbeit ich wurde mich freuen wenn ihr weiter Filme macht und sie ins YOUTUBE stellt.
Ich bin übrigens auch Hobbyfilmer und weiß wie anstregend das ist so einen Film zu drehen auch wenn es ein Kurzfilm ist. Ich hatte noch ne Frage wie habt ihr das gemacht mit dem Zug das es verschwindet aufeinamal ? – Und wieso will sich der Hauptdarsteller umbringen???
LG Sissi
21.12.2008 um 15:26
Moin moin!
Erstmal Danke für die Blumen!
@Attila
Als Equipment hatten wir lediglich die Canon XM 2, ein Stativ und den Selbstbaudolly dabei. Nicht grad viel, aber es hat ja vollkommen ausgereicht.
@Sissi
Der “verschwindende” Zug ist wohl einer der ältesten Filmtricks überhaupt.
Hier wurden ganz einfach zwei unterschiedliche Aufnahmen zusammengelegt – einmal eine Aufnahme ohne Zug – und einmal eine Aufnahme mit einem Zug.
Es wird einfach von der einen auf die andere Aufnahme übergeblendet. Da die Kameraposition bei beiden Aufnahmen gleich ist und der Zug auch das einzige Objekt ist was sich merklich bewegt entsteht bei der Überblendung der Eindruck dass der Zug “verschwindet”.
Keine Zauberei also und sehr einfach zu realisieren.
Und wieso sich der Darsteller umbringen möchte? Das ist dem Zuschauer überlassen. Wir hatten selber viele Erklärungsansätze und haben diskutiert ob wir die Information auch dem Zuschauer mitteilen. Allerdings kamen wir zu dem Schluss dass eine detaillierte Erklärung den Zuschauer zu sehr in eine Bahn lenken würde und somit der ganze Reiz, die geheimnisvolle Aura, schnell weg wäre oder nicht einmal entstehen würde.
Ohne die Erklärung bleibt das Thema allerdings ständig aktuell und der Zuschauer hat mehr Freiheiten zur Interpretation.
Eine aktuelle Erklärung für den Selbstmordversuch wäre z.B. dass der Hauptdarsteller alles bei der Finanzkrise verloren hat und keinen anderen Ausweg sieht wenn er nicht so enden möchte wie der Obdachlose…
Aber jeder sieht das was er sehen möchte und genau das ist es auch was uns am Herzen lag.
LG
Peter