Die Sims und das reale Leben…
Vor zwei Jahrzehnten kam ein Computerspiel auf den Markt das den Namen SimCity trug.
Entwickelt wurde es von der Firma Maxis, die heutzutage eine Tochterfirma des Spielegiganten Electronic Arts (EA) ist.
Aus der Städtesimulation SimCity entwickelte sich nach und nach eine…nun ja, wie soll man es nennen…Real-Life Simulation. Ja, das hört sich passend an…
Heraus kam dabei das wohl meistverkaufte PC-Spiel (über 100 Millionen mal verkauft).
Die Sims.
Ein Spiel das versucht das gewöhnliche Leben zu simulieren. Der Spieler verfolgt also das Leben seiner “Sims” von der Geburt bis zu ihrem Tod.
Hört sich echt toll an.
Das ideale Spiel also für Menschen ohne eigenes Leben.
Könnte man zumindest meinen.
Da ich gerade ein langes Wochenende hatte und zu nichts Lust hatte, entschied ich mich mal das Spiel zu testen. Teils um zu versuchen die Begeisterung vieler anderer Sims-Spieler zu verstehen, größtenteils aber aus purer Langeweile.
Man kann bei Spielstart auswählen ob man bereits eine vorhande Familie übernimmt oder sich eine selber zusammenstellt. Wer alles perfekt haben möchte kommt hier also durchaus auf seine Kosten, zumal er ja auch die Grundstücke, ja die ganze Nachbarschaft nach seinen Wünschen gestalten kann.
Hier zeigt sich gleich wo das Spiel seine Wurzeln hat. Ein alter SimCity-Spieler wird gewiss seine Freude daran haben.
Hat man das Spiel irgendwann dann tasächlich angefangen zu spielen, geht es darum seinen Sims zu helfen ihrem Lebensziel näher zu kommen. Das erreicht man dadurch dass man ihnen ihre Wünsche erfüllt.
Natürlich muss man sich aber auch um ganz alltäglich banale Dinge kümmern.
Etwa putzen, aufs Klo gehen, duschen, arbeiten, essen, Freunde finden, Spaß haben, essen, Bildung erlangen, kochen, Geister sehen, Kinder machen, essen oder mit dem Sensemann um das Leben eines anderen Sims feilschen.
Kommt einem ja alles sehr bekannt vor.
Und vielleicht macht es auch gerade deshalb so süchtig.
Man kann mit seinen Sims ein Leben haben dass man vielleicht selber niemals führen könnte. Man kann seine eigenen verborgensten Wünsche ausleben.
Es ist eine perfekte Welt, die löblicherweise ohne Gewalt auskommt, was sie aber natürlich gleich etwas unrealistischer macht, aber das ist egal, schließlich geht es bei dem Spiel ja darum den (realen) Menschen zu zeigen wie eine perfekte Welt aussehen könnte.
Hmm…gewaltlos? Klingt irgendwie langweilig. Kein Problem aber. Sadisten können trotzdem voll auf ihre Kosten kommen.
Man kann ja seine Sims ständig mit ihren Ängsten konfrontieren und sie so fast in den Wahnsinn treiben.
Es geht aber auch anders, nicht ganz so offensichtlich.
Manche Sims, vorallem diejenigen mit dem Lebensziel Wissen/Bildung, wollen irgendwann auch mal einen Geist sehen (auch gerne den ihrer Feinde) oder mal mit dem Sensemann um das Leben eines eben Verstorben feilschen.
Wie erfüllt man also so einen Wunsch?
Schließlich kann ein Sims nicht direkt einen anderen Sims töten.
Über Umwege gehts natürlich trotzdem.
Und hier können sich jetzt die Sadisten austoben.
Man schnappt sich also ein Opfer (vorzugsweise ein fremder Sim der gerade am Haus vorbeigeht), lockt ihn in ein Zimmer oder auf die Veranda. Dann lässt man seinen eigenen Sinn das Zimmer verlassen und entfernt sofort im Anschluß daran die Tür zum Zimmer.
Haha, der fremde Sim ist jetzt im Zimmer gefangen und man kann ihm beim Sterben zusehen. Sehen wie er sich zuerst in die Hose macht, in Ohnmacht fällt und letztenendes an verhungert oder erfriert, falls er draußen ist.
Echt toll.
Man kann den Sim natürlich auch in ein Poolbecken locken und wen er drin ist entfernt mn einfach die Leiter und sieht im bim ertrinken zu.
Nur um mal zwei Beispiele zu nennen.
Stirbt jetzt der fremde Sim kommt der Sensemann und man kann versuchen mit ihm zu verhandeln, was aber nicht kaum von Erfolg gekrönt sein wird wenn man zu dem verstorbenen Sim kein sehr gutes Verhältnis gehabt hat.
Ist der Sensemann also mit der Seele des Verstorbenen wieder abgehauen bleibt nur noch ein Grabstein bzw. eine Urne zurück. Vorraussetzung dafür dass man auch einen Geist zu sehen bekommt…
So viel zum Thema Gewaltlosigkeit.
Man kann aber auch einiges über das reale Leben lernen.
Zum Beispiel:
- wenn du schon Freunde hast, dann halte auch Kontakt zu ihnen (ein Punkt den ich persönlich sträflich vernachlässige)
- wenn du ein schlechter Koch bist installiere über deinem Herd eine Sprinkleranlage oder mindestens einen Rauchmelder der sofort die Feuerwehr ruft
- es gibt kein Schicksal
- man kann dem Tod nicht entrinnen, ihn aber verzögern
- wozu für den Lebensunterhalt arbeiten wenn man auch einfach eine Gelddruckmaschine haben kann?
- Männer pinkeln immer im Stehen
- Stinktiere sind für gewöhnlich schlecht gelaunt, also sollte man ihnen fern bleiben, wenn man keine Lust hat wie ein Schwein zu stinken
- …
Es ist also ein wirklich fesselndes Spiel das dafür sorgt dass die Zeit wie im Fluge verstreicht.
Irgendwann glaubt man sogar selber der Sim zu sein den man steuert.
Aber spätestens wenn auf einmal der Strom ausfällt merkt man plötzlich dass es doch nicht ausreicht nur seinen Sim bei Harndrang aufs Klo zu schicken, obwohl man selber aufs Klo möchte oder seinen Sim unter die Dusche zu schicken, obwohl nicht der Sim, sondern man selber wie eine Müllhalde stinkt.
Willkommen zurück im realen Leben.