Sinnvolle Informationsverteilung
Informationen verleihen viel Macht. Unglaublich viel Macht. Nicht umsonst gibt es Geheimdienste, deren Hauptfunktion das Sammeln von Informationen ist.
Geheimdienste sind dafür bekannt so wenig Informationen wie möglich an “normale” Menschen zu verteilen. Das ist zwar mitunter zwar sehr sehr ärgerlich, aber irgendwie doch noch verständlich.
Weniger verständlich ist wenn kleinere Firmen plötzlich anfangen Informationen wie Geheimdienste zu verteilen: überhaupt nicht oder in einer homöopathischen Dosis.
Man kann nicht immer immer die volle Arbeitsleistung erbringen wenn man nur die allernötigsten Informationen bekommt.
Dieses Prinzip funktioniert nur bei Filmen wirklich hervorragend. Ein gutes Drehbuch zeichnet sich vor allem durch eine geschickte Informationsverteilung aus. Für den Spannungsaufbau ist es essentiell die Informationen richtig zu verteilen.
Ein einfaches Beispiel:
Protagonist A fährt normal zur Arbeit. Gleichzeitig schmiedet Antagonist B einen Plan um A zu entführen.
Und welche Informationen bekommt jetzt der Zuschauer?
Das unterscheidet sich zwar je nach Genre, aber allgemein kriegt er nur so wenig Informationen wie nötig um die Szene zu verstehen.
Hat der Zuschauer die Informationen von A, dann wird er völlig überrascht sein wenn B plötzlich auftaucht und A entführt.
Hat der Zuschauer aber auch die Informationen von B, so wird er versuchen A zu warnen. Dadurch wird seine Zuneigung zu A verstärkt.
Das nur mal so als unglaublich grobe Übersicht.
Was bei einem guten Filmdrehbuch also lebenswichtig ist, kann bei einem Filmdreh tödlich sein.
Bei einem Filmdreh sind sehr viele Menschen involviert, das kann jeder bestätigen der schon einmal den Abspann eines Filmes komplett angeschaut hat.
Hier kommt es auch auf eine sinnvolle Informationsverteilung an.
Ein Komparse braucht also z.B. nicht zu wissen welche Scheinwerfer bei dem Dreh in zwei Tagen, bei dem er sowieso nicht mehr dabei ist, benötigt werden.
Die Beleuchter müssen das aber natürlich wissen.
Was über kurz oder lang zum Erliegen einer Produktion führt ist eine ungenügende Informationsverteilung, wenn also Leute die Informationen nicht kriegen die sie brauchen.
Ich kriege so eine ungenügende Informationsverteilung zur Zeit am eigenen Leib zu spüren.
Seit wohl über einem Jahr wird von unserem Chef ein Kinospielfilm vorbereitet. Nur weiß das so gut wie niemand von der Belegschaft, was daran liegt dass wohl fast keiner der Belegschaft irgendwie in das Projekt involviert ist.
Wann ist wohl der beste Zeitpunkt jemanden aus dieser Belegschaft zu sagen dass er doch bei dem Projekt dabei sein wird?
Hmm…man könnte ihm ja etwa zwei Monate vor Drehbeginn ganz nebenbei sagen dass er dabei sein wird.
Und dann sagt man die nächsten zwei Monate kein Wörtchen mehr darüber.
Und zwei Tage vor der Drehbeginn sagt man der Person nochmal dass sie dabei ist und erwähnt dann auch grob was er eigentlich beim Dreh machen soll, aber nicht wann und wo und was überhaupt gefilmt wird…
Hört sich wie ein wunderbarer Spannungsaufbau für einen Krimi an…
Übermorgen fängt also der Dreh an.
Mal schauen was mich da wohl erwartet…